Lockenwickler-Geschichten

Viele liebe Menschen haben mir Fotos und Texte zu ihren Lockenwicklern zur Verfügung gestellt, die ich hier präsentieren darf. Dafür danke ich herzlich. Darunter finden sich persönliche Erinnerungen ebenso wie Berichte von Auszubildenden und Meister*innen des Friseurhandwerks. So unterschiedlich die Wickler, so vielfältig die Geschichten.

 


Tracey S., Sheffield

Tracey left school at 16 (1990) and joined Barber Bird Ltd, Hair-dressing course (Castle College, Sheffield) where the majority of the rollers came from; others were gifted by a neighbour of Tracey. They were used on a regular basis whilst at college and at home doing hair for family and friends. After completing the course Tracey was awarded with a Top Student trophy (1992). Tracey then continued her career at a salon in Sheffield (UK) for a few years, before moving on to pursue other things.

TRACEY, Zertifikat 162

 

 


Elisabeth R., Erfurt

Meine Oma, Elisabeth Rothhämel ist 1907 geboren und hat vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg als Friseurin und später als Friseurmeisterin gearbeitet. Nach ihrem Umzug in den Westen, genauer gesagt nach Bochum, hat sie eine Fortbildung zur Krankenschwester gemacht und dann in diesem Beruf gearbeitet. Ich nehme an, dass man damit mehr Geld verdienen konnte. Außerdem war es leichter, neben dem Schichtdienst, die Kinder zu betreuen. Später wohnte sie mit meinem Opa in Westuffeln, bei Melsungen. Das Bild zeigt meine Großmutter (zweite von rechts) vor dem Salon Fritsch, Ostern 1929.

ELISABETH, Zertifikat 091

 

 


Sabine P., Dresden

Das Foto entstand im Sommer 2016, ich habe mir damals meine langen Haare kürzen lassen aus Solidarität zu meiner Freundin, die mit der Diagnose Brustkrebs durch die Chemo ihre Haare verlor. Damals hatte ich meiner Freundin nur dieses eine Foto geschickt. Sie wusste nichts von meinem Entschluss, meine langen Haare so sehr zu kürzen. Es hat sie sehr gerührt. Sie hat ihren langen, vierjährigen Kampf gegen den Krebs leider verloren und seitdem sind meine Haare auch nie wieder so kurz gewesen.

SABINE, Zertifikat 123

 

 


Marina I., Hamburg

Die Lockenwickler habe ich nur zweimal zu Hause benutzt. An meiner Tochter als Versuchsobjekt und dann an mir :))

MARINA, Zertifikat 110

 

 


Anne K., Frohburg

Vor fast 11 Jahren habe ich meinen eigenen Friseursalon eröffnet. Schnittprinzessin, so heißt er. Da ich immer wieder ein Freund von gebrauchten Dingen bin, hatte ich damals das Glück, dass im Nachbardorf eine Friseurin in ihren wohlverdienten Ruhestand ging und ich somit ihre Wickler abkaufen konnte. Ich wusste ja schließlich nicht, was mich 
in meinem eigenen Geschäft erwartet. 


    Schnell stellte sich heraus, dass ich nur drei Kundinnen hatte, die eine Dauerwelle und/oder eine Lockwelle bekamen. Meine Omi und zwei tolle ältere Damen, denen ich ihren Wunsch einer Dauerwelle nicht abschlagen konnte. Alle anderen Kundinnen konnte ich mit moderneren Frisuren und Methoden überzeugen, Locken auf ihren Kopf zu zaubern. Wenn doch mal der ein odere andere Praktikant bei uns war, hat es mir nach wie vor ganz viel Spaß gemacht, das Prinzip einer Dauerwelle zu erklären und den Praktikant*innen zu zeigen, wie es geht. (Es war übrigens auch mein Thema in meiner Hausarbeit bei der Meisterschule.) Eigentlich ist es wie Fahrrad fahren, man verlernt es nie. 


    Nachdem die drei tollen Frauen nach und nach aus dem Leben geschieden waren, verschwanden die Wickler endgültig im Karton. Ja, und da ich mich immer sehr schwer tue mit Wegschmeißen, sind sie auf diesem Wege bei dir gelandet. 

ANNE, Zertifikat 143

 

 


Marie aus Asperg

Ich habe früher im Schulorchester Geige gespielt und im Schulchor gesungen. Jedes Jahr hatten wir regelmäßig Auftritte in der Kirche, der Schule und kleinere Konzerte. Da ich als Kind schon immer eher Schnittlauchlocken hatte, half der Lockenstab da wenig. Für die Konzerte wollte ich immer gerne schöne Locken und so kam ich dann zu den Lockenwicklern. Als 15-Jährige fand ich es super, dass die Locken endlich mal gehalten haben. Allerdings war mir das Ganze auf Dauer zu unbequem… Jetzt fast 10 Jahre später bin ich sehr glücklich über meine pflegeleichten glatten Haare.

MARIE, Zertifikat 181

 

 


Gabi F., Schwabach

Lockenwickler wecken in mir schöne und nostalgische Erinnerungen. Ich bin in Brasilien aufgewachsen, und dort trugen die meisten Frauen am Samstag Lockenwickler. Große Wickler wurden verwendet, um das lockige Haar glatt und geschmeidig zu machen, während kleine Wickler für Locken sorgten. Mit den Lockenwicklern, verborgen unter einem bunten Tuch, gingen die Frauen frühmorgens auf den Markt, um frisches Obst und Gemüse für das Sonntagsessen einzukaufen. Es lag eine freudige Erwartung in der Luft – der Samstag war ein Tag der Vorfreude auf das gemeinsame Essen und das Schönmachen für den Sonntag. Schönheit spielt eine große Rolle im Leben brasilianischer Frauen, und der Spruch „Wer schön sein will, muss leiden“ ist dort nach wie vor aktuell.

GABI, Zertifikat 166

 

 


Claudia C., Schwaig

Das ist eine kleine Auswahl von einer Frau, die ständig im Wandel ist. Frauen sind ja nie mit sich selbst zufrieden, immer auf der Suche nach einem besseren selbst, und oftmals verbinden wir das mit unterschiedlichen Haarfarben. Jetzt bin ich inzwischen schon weiß (59), wie man auf dem letzten Bild sieht, immer noch im Wandel, und immer noch auf der Suche nach einer Optimierung. Und wenn ich ehrlich zu mir selber wäre, könnte ich mir eingestehen, dass ich all diese Optimierung gar nicht nötig habe. Ich bin dreifache Mutter, mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehend und auf niemanden an­gewiesen. Aber ich glaube, ich bin nicht die einzige Frau, die an ihrem Selbstwert zweifelt.

CLAUDIA, Zertifikat 141/142

 

 


Dorothea V., Bergisch Gladbach

Die Lockenwickler waren von meiner Oma, Dorothea Vervoortz, geb. Esser, geb. 10.08.1909, gest. 23.09.2006, die sie regelmäßig benutzt hatte und die ich jetzt beim Auflösen des Haushaltes meiner Mutter gefunden habe. 

DOROTHEA, Zertifikat 120

 

 


Colleen G., Göttingen

Ich habe es wirklich mal mit Lockenwicklern probiert, aber irgendwie funktioniert es bei mir einfach nicht. Vielleicht liegt es an meiner Haardichte oder -struktur, aber die Locken halten einfach nicht, wenn ich sie mit Wicklern style. Oft fallen sie schon nach kurzer Zeit wieder raus, oder die Wellen sind nicht so definiert, wie ich sie mir wünsche. Für mich ist der Lockenstab die zuverlässigere Methode für schöne Locken.

COLLEEN, Zertifikat 179

 

 


Shirin S., Hoppegarten

Ich habe die Lockenwickler vor ungefähr 20 Jahren das erste mal benutzt, gekauft hat sie mir meine Mama. Für die Jugendweihe wollte ich schöne Locken in meine strohigen Haare machen. Tja, so recht warm geworden sind wir nie miteinander. Die Handhabung ist einfach zu umständlich und nervig. Und vor allem habe ich meine Naturlocken entdeckt, die sehen viel besser aus als Lockenwicklerlocken.

SHIRIN, Zertifikat 156

 

 


Hildegard T., Wuppertal

Meine Mutter hatte als junges Mädchen dicke geflochtene Zöpfe. Ab ca. den 1950er Jahren, als junge Frau, hat sie sich von ihren Zöpfen getrennt und dann bis ins Alter von 75 Jahren, 2012, immer sehr viel Wert auf ihre Lockenfrisur gelegt. Die Wickler waren oft im Einsatz :-)

HILDEGARD, Zertifikat 121

 

 


Maike K. aus Bohmte

Mein Name ist Maike Kemper, ich bin 34 Jahre alt. Seit zwölf Jahren bin ich selbstständig und habe mein eigenes Friseur- und Kosmetikgeschäft. Da ich selbst Naturlocken habe, ist es meine absolute Leidenschaft, Locken zu kreieren oder hervorzuheben. Dazu benutze ich passende Stylingtools oder Lockenwickler, unter anderem kann ich damit Volumen kreieren.

MAIKE, Zertifikat 180

 

 


Lena G., Kulmbach

Ich fühle mich

mit Locken schöner

und freier.

LENA, Zertifikat 205

 

 


Sabine G., Gechingen

Die Wickler wurden von unserer Tochter an der Gesellen-/Zwischenprüfung 2005 verwendet.

SABINE, Zertifikat 104

 

 


Janet L., Duisburg

Die Wickler hab ich ein paar Jahre selbst benutzt. Heute sind meine Haare zu kurz und ich zu alt für lange Haare.

JANET, Zertifikat 136

 

 


Alex S., Nürnberg

71 Lockenwickler von Alex – das war im Januar 2023 der Startschuss für mein Lockenwickler-Kunstprojekt. Darunter viele rote, beflockte Metallwickler, eine Sorte, mit der ich mittlerweile besonders gern arbeite. Alex, mein Frisör seit über 25 Jahren, war zu diesem Zeitpunkt gerade mit seinem Laden am umziehen. „Im Keller ist ein großer Beutel voll, die kannst du haben“, war seine Antwort auf meine Frage nach alten Lockenwicklern gewesen.


Alex ist ein leidenschaftlicher Frisör – er liebt Haare. Und mir macht es jedes Mal Freude, ihm zuzuschauen, wie virtuos er mit seiner Schere umgeht. Danke Alex!  A.W.

ALEX, Zertifikat 001